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Johann "Rukeli" Trollmann
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Roger Repplinger


Gothaer Aktionsbündnis: Lesung gegen rechte Gewalt in Tivoli
13.10.2011 - 06:30 Uhr
Das Gothaer Aktionsbündnis gegen rechte Gewalt ist dafür bekannt, dass es immer wieder Referenten nach Gotha einlädt, die Vorträge zu höchst interessanten und brisanten Themen halten. So auch am Dienstagabend in der Gedenkstätte Tivoli. Zu Gast waren diesmal Manuel Trollmann und Sportjournalist Dr. Roger Repplinger.

Das Gothaer Aktionsbündnis hatte zur Lesung am Dienstagabend  Manuel Trollmann und Sportjournalist Dr. Roger Repplinger eingeladen. Foto: Wenzel

Gotha. Mit Manuel Trollmann und Dr. Roger Repplinger waren zwei Personen erschienen, die dasselbe Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet haben. Während es dem 49-jährigen Trollmann vor allem um seine eigene Familiengeschichte geht, hat Repplinger bereits 2008 unter dem Titel "Leg dich, Zigeuner" ein Sachbuch auf den Markt gebracht.
Darin stellt er die Biografien von zwei deutschen Spitzensportlern nebeneinander. Auf der einen Seite steht dabei der HSV-Fußballspieler Otto ("Tull") Harder (1892-1956), der als SS-Mann Aufseher in verschiedenen Konzentrationslagern gewesen war. Nach seiner Ende 1951 erfolgten Entlassung aus nur viereinhalbjähriger Haft wurde Harder "vom HSV und seinen Anhängern frenetisch gefeiert".
Auf der anderen Seite steht der Deutsche Meister im Halbschwergewicht Johann ("Rukeli") Trollmann (1907-1944) - der Großonkel von Manuel Trollmann. Die einzige Begegnung der früheren Spitzensportler fand 1942 am Eingangstor zum KZ Neuengamme statt, wo der Leidensweg des Sintos begann, der zwei Jahre später mit dem Tod endete.
Zunächst berichtete Manuel Trollmann den Zuhörern im Tivoli - darunter etliche Gymnasiasten der KGS "Herzog Ernst" - über seine Familiengeschichte. Über "Rukeli" sei nie geredet worden, denn die Sinti seien bis heute in der Bevölkerung noch nicht als Opfergruppe des NS-Regimes anerkannt.
Seit 2003 hat sich Trollmann deshalb selbst intensiv mit seinem Verwandten beschäftigt. Über das in nur wenigen Jahren erreichte könne er zu Recht stolz sein, denn inzwischen erinnern an Rukeli Trollmann ein Weg in Hannover, Stolpersteine in Berlin, Hannover und Hamburg sowie seit Januar das "Johann-Trollmann-Sportcamp" in Berlin-Kreuzberg. Inzwischen ist sogar ein Dokudrama abgedreht, das im nächsten Jahr zur Berlinale gezeigt wird.
Manuel Trollmann hat sich zur Aufgabe gemacht, das Schicksal seines Großonkels weltweit bekannt zu machen. Die Zeit dazu sei leider erst jetzt reif, bemerkte er angesichts der noch immer in der Bevölkerung verhafteten Vorurteile gegen selbst sesshafte "Zigeuner".
Roger Repplinger las anschließend aus dem Kapitel "Nr. 9841". Hinter dieser Zahl verbirgt sich die Häftlingsnummer Trollmanns, dem gleich 1933 der Meistertitel aberkannt worden war. Als Wehrmachtssoldat hatte er zunächst nichts zu befürchten. Als er jedoch 1942 als wehrunwürdig eingestuft wurde, erfolgte die Verhaftung.
Die Schwerstarbeit im KZ Neuengamme hätte er nicht lange überlebt, wenn er nicht als Boxer erkannt worden wäre und deshalb fortan die SS-Männer trainieren musste. Schließlich erhielt er vom Häftlingskommando eine neue Identität und wurde ins Außenlager Wittenberge verlegt. Dort wurde er 1944 von einem Kapo - also einem Mithäftling - aus Rachsucht tot geschlagen.
Nach der Lesung herrschte zunächst betretenes Schweigen im Raum. In der anschließenden Diskussion ging es dann vor allem um die 1950er Jahre in der Bundesrepublik, als Kriegsverbrecher wie Tull Harder rehabilitiert wurden, wogegen es Sinti wie die Trollmanns beim vergeblichen Kampf um eine Opferrente teilweise mit denselben Richtern und Ärzten wie im Dritten Reich zu tun hatten.
Eine Neuauflage des vergriffenen Buches "Leg dich, Zigeuner" erscheint 2012.

 
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